August Mirow                         An Serena. Über den 21. August

 

 

Schon in meines Lenzes Rosentagen,

Da der Freude Ruf mir noch erschallt,

Warmes Leben durch die Adern wallt,

Lebewohl zu dieser Sonne sagen?

 

Wo die raschen Pulse nicht mehr schlagen,

Wo ich schlummre einsam, tief und kalt,

Zu dem Grabe würd’ ich schon so bald

Unbeweint und namelos getragen? –

 

Doch, ich ginge frohen Muths hinab;

Nahte auf das Wort von deinem Munde

Mir auch jetzt die schreckenvolle Stunde;

 

Legte schlafen mich in’s dunkle Grab;

Träumte, bis es freundlich wieder taget,

was mein Herz hier kaum zu ahnen waget!

 

 

 

 

 

August Mirow                         Trost.   An –

 

Wein’, o weine, daß der Schönheit Blüthe

Vor dem Hauch des Todes welkt und fällt;

Daß ein Grab die Kraft gefangen hält,

Die empor zu streben kühn sich mühte!

 

Ha! die wang’ auf welcher Freude glühte,

Nun so blaß, so fürchterlich entstellt?

Ewig blind für diese schöne Welt

Nun das Auge, das einst Funken sprühte?

 

Weine, weine! Deine Blume sank:

Deine Wonne, deine schönste Habe

Schlummert nun mit Ihr im düstern Grabe.

 

Aber wisse, Dulder, welk und krank

Sinkt das Haupt der Blume wohl danieder –

Doch in jenem Lenz ersteht es wieder!